Fraktionserklärung GRÜNE/AL/FraP! zum Voranschlag 2002

 

Auch dieses Jahr ist die Budgetdebatte wieder eine Vorstellung mit einem klaren Drehbuch, und wie bei einem langweiligen Krimi steht im voraus fest, wer böse und wer vernünftig ist. Wir kritisieren diese Kabinettspolitik, auf welche die Rot-Blaue Koalition so stolz ist – sie macht die Ratsarbeit zur Farce. V.a. die RPK wird zu einem Kopfnickergremium degradiert. Statt sich sachlich und politisch mit dem Voranschlag auseinanderzusetzen, braucht sie bloss noch die weisen Entschlüsse der beiden grossen Frakions-Häuptlinge und ihres Adlaten abzusegnen. Dies schwächt die Stellung des Gemeinderates und seine Kontrollfunktion gegenüber der Verwaltung massiv. Das kann nicht im Interesse der BürgerInnen und Steuerzahlenden sein!

Wir lassen es uns darum nicht nehmen, in der Budgetdebatte unsere eigenen Akzente einer zukunftsfähigen Finanzpolitik zu setzen.

 

Heute die Mittel für ein ökologisches Investitionsprogramm sichern

Wir fordern die Einrichtung einer Rückstellung von 20 Millionen für ökologische Fördermassnahmen. Der Umweltschutz hat in den vergangenen Jahren oft unter dem Druck der angespannten Finanzlage gelitten, notwendige Investitionen wurden mit dem Argument fehlender Finanzen zurückgestellt. Gegenwärtig sieht zwar die Finanzlage besser aus, dennoch bleiben die Investitionen für eine ökologisch fortschrittliche Stadt bescheiden. Und sollte sich die wirtschaftliche Situation wieder verschlechtern, ist leider klar, dass ohne die von uns geforderten Rückstellungen kaum Mittel für ein ökologisches Investitionsprogramm bereitstehen würden. Ein ökologisches Investitionsprogramm kann aber gerade in einer Rezessionsphase auch auf für den lokalen Arbeitsmarkt die notwendigen positiven Signale aussenden und den Arbeitsplatzabbau verhindern. Eine jetzige Steuersenkung mag für die Steuerzahlenden angenehm sein, sie hat jedenfalls nichts mit Nachhaltigkeit zu tun.

Wir sind bereit, für dieses ökologische Investitionsprogramm auf zusätzliche Steuer­senkungen gegenüber dem stadträtlichen Vorschlag (124%) zu verzichten. Den 200'000 SteuerzahlerInnen, welche weniger als 100'000.- im Jahr verdienen, entgehen dadurch gerade mal Steuersenkungen von Fr. 2.50 im Monat. Keine bittere Einbusse – aber umgekehrt eine sinnvolle Investition in eine Zukunft für Umwelt und Arbeitsplätze.

 

Mehr Spitex statt immer höhere Krankenkassenprämien

Gleichzeitig fordern wir im Spitex-Bereich je 3 Millionen zusätzlich für Kinder- und Nachtspitex und für Spitex mit mehr als 60h Pflegezeit. Wenn die Krankenkassen­prämien dauernd steigen, gilt es, dem kostengünstigen Modell Spitex den nötigen Schub zu geben – gerade auch im Interesse der PatientInnen, welche oft lieber zuhause in gewohnter Umgebung gepflegt werden, sofern dort eine professionelle Behandlung garantiert werden kann. Dies ist eine wesentliche Investition in die Lebensqualität von vielen Menschen!

 

Genderbudget soll mehr Budgettransparenz bringen

Schliesslich wäre es sehr wünschenswert, die von uns angeregten Informationen gemäss dem vom Rat überwiesenen Postulat über die Erstellung eines Genderbudgets möglichst bald zur Verfügung stünden resp. die Entscheidungen über die Ausgestaltung und Einführung dieses zeitgemässen Instruments bald gefällt würden. Wir brauchen ein Budget, das nicht auf einem Auge blind ist!

 

Unser Fazit: Rückstellungen für ein ökologisches Investitionsprogramm, das in der nächsten Rezession Arbeitsplätze schafft, bringen der Stadt und ihre EinwohnerInnen bedeutend mehr in jeder Beziehung als ein Steuergeschenk für die Reichen. Und in der Gesundheitspolitik sind dort, wo dies der Stadt möglich ist, endlich die richtigen Weichen zu stellen: für mehr Pflegequalität und weniger Krankenkassenprämien. Der Glanz der Steuerfuss-Geschenkli ist bald matt, eine Fehlentwicklung der Stadt dagegen belastet Generationen in der Zukunft, nicht nur finanziell.

 

Balthasar Glättli, 12.12.2001